Anlagebetrug über WhatsApp und Telegram

Anlagebetrug über WhatsApp und Telegram

Verbraucherschutz

Es beginnt mit Werbeanzeigen, die kostenlose Aktienempfehlungen oder die Vermittlung von Wissen rund um den Börsenhandel versprechen. Per Klick landen Sie schnell in einem Gruppenchat auf WhatsApp oder Telegram – angeblich geleitet von Finanzprofis. Doch was seriös wirkt, entpuppt sich als raffinierte Betrugsmasche. Erfahren Sie, wie Sie sich davor schützen können.

Quelle: TarikVision/stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze:

  • Selbsternannte Finanzprofis werben in sozialen Medien für WhatsApp- oder Telegram-Chatgruppen und versprechen Börsenwissen und Aktienempfehlungen.
  • Die Kriminellen bauen ein Vertrauensverhältnis auf. Anschließend stellen sie Ihnen eine Online-Handelsplattform oder Handels-App vor und versprechen hohe Gewinne.
  • Kriminelle gehen oft wie folgt vor: Durch die Auszahlung von kleinen Beträgen stärken sie Ihr Vertrauen in die Plattform. Dann sollen Sie selbst investieren. Ihre Einzahlungen werden jedoch auf das Konto der Kriminellen überwiesen, die Sie zu weiteren Investitionen drängen. Anschließend brechen die Kriminellen den Kontakt ab und Ihr Geld ist verloren.
  • Es gibt Fälle von Folgebetrug. Dabei melden sich Kriminelle teilweise nach Jahren wieder und versprechen, das verlorene Geld wiederzubeschaffen – gegen eine Vorauszahlung.
  • Seien Sie bei Anlagetipps in sozialen Medien und Chatgruppen immer wachsam. Prüfen Sie vermeintlich lukrative Angebote genau. Es droht der finanzielle Totalverlust.

Vermeintliche Seriosität täuscht

In den sozialen Medien schalten Unbekannte betrügerische Werbeanzeigen, in denen bekannte Finanzexpertinnen bzw. Finanzexperten oder lizenzierte Institute angeblich kostenlose Aktienempfehlungen oder die Vermittlung von Wissen zum Aktienhandel anbieten. Die Kriminellen kontaktieren potenzielle Opfer häufig auch direkt per WhatsApp-Nachricht oder versenden Freundschaftsanfragen von bekannten Personen, deren Facebook- oder Instagram-Profil sie gefälscht haben. Anlegerinnen und Anleger werden aufgefordert, einer Gruppe in einem Messenger-Dienst wie WhatsApp oder Telegram beizutreten.

Viele dieser Gruppen täuschen vor, zu einem bekannten ausländischen Unternehmen zu gehören, das angeblich in Deutschland oder Europa Fuß fassen möchte. Aber auch Identitäten deutscher lizenzierter Institute oder bekannter Unternehmen werden missbraucht, um der Gruppe den Anschein von Seriosität zu geben.

Vermeintliche Finanzexpertinnen oder Finanzexperten – auch hier werden teilweise Identitäten realer Personen missbraucht – teilen in der Gruppe über mehrere Wochen in täglichen Seminaren oder Unterrichtseinheiten ihr angeblich exklusives Wissen zu Finanzthemen und geben Empfehlungen zum Kauf von Aktien oder anderen Anlageprodukten. Der vermeintliche, in der Regel männliche Finanzexperte hat meist eine weibliche Assistentin, die den Gruppenchat moderiert und den Mitgliedern persönlich für Fragen oder auch Anlagetipps zur Verfügung steht. Die „Wissens-Gruppen“ enthalten oft den Namensbestandteil „School“, „Lerngruppe“ oder „Akademie“.

Die abgegebenen Aktienempfehlungen unterscheiden sich je nach Gruppe und dienen vorrangig dazu, Seriosität vorzutäuschen und Interessierte zum Handel zu motivieren. Die Gruppenmitglieder sollen die empfohlenen Aktien zunächst über ihre eigenen Depots handeln. Was auf den ersten Blick erfolgversprechend erscheint, ist Teil einer ausgeklügelten Betrugsmasche.

Ziel der Kriminellen: Ihr Vertrauen gewinnen

Die Initiatorinnen bzw. Initiatoren der Gruppen bauen über mehrere Wochen hinweg ein Vertrauensverhältnis zu deren Mitgliedern auf. Unterstützt werden sie hierbei auch von anderen Gruppenmitgliedern, die keine echten Verbraucherinnen und Verbraucher sind, sondern zu den Kriminellen gehören. Bei Marketing-Aktionen werden die Gruppenmitglieder aufgefordert, an täglichen Check-in-Aktionen oder Gewinnspielen teilzunehmen, um beispielsweise Krypto- oder Sachwerte zu gewinnen, die sie auch tatsächlich erhalten.

In anderen Fällen werden die Gruppenmitglieder beispielsweise dazu aufgefordert, an einer Abstimmung über die zukünftige CEO-Besetzung des Unternehmens teilzunehmen. All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Gruppenmitglieder zu einer täglichen Interaktion mit den Betreiberinnen und Betreibern zu bewegen und so Vertrauen aufzubauen.

Auf Nachfrage werden Dokumente präsentiert, die vortäuschen, dass die Initiatorinnen bzw. Initiatoren der Gruppen und die dahinterstehenden Unternehmen durch Finanzaufsichtsbehörden lizenziert sind. Lassen Sie sich davon nicht blenden: Die Dokumente können gefälscht sein oder von einem anderen Unternehmen stammen, dessen Identität sich die Kriminellen unrechtmäßig bedienen.

Im weiteren Verlauf wird im Gruppenchat in der Regel ein innovatives Finanzinvestitionssystem vorgestellt, mit dem die Mitglieder angeblich große Gewinne erzielen können. Die Investitionsmöglichkeiten sind vielfältig. Sie reichen von einem eigenen vorbörslichen Krypto-Token, über vorbörsliche Aktien oder eigene Fonds bis zu einem angeblichen institutionellen Konto, auf dem die Expertin bzw. der Experte oder das angeblich von ihm vertretene Unternehmen mit dem Handelskapital aller Gruppenmitglieder handeln kann.

Der Einstieg in angebliche Handelsplattformen

Interessierte werden dazu verleitet, sich mit ihren persönlichen Daten bei einer externen Online-Handelsbörse oder einer Trading-App anzumelden, um mit den in der WhatsApp-Gruppe empfohlenen Finanzprodukten handeln zu können. Der Zugang zu diesen sehr erfolgversprechenden Investitionen oder Systemen – die Renditeversprechen reichen bis zu 700 Prozent – ist angeblich limitiert und nur für ausgewählte Gruppenmitglieder möglich. Meist muss ein Bewerbungsbogen oder ein Anmeldeformular ausgefüllt werden. In manchen Fällen wird mit exklusiven Testzugängen oder Demo-Konten zu den Investitionsplattformen geworben.

Beachten Sie: Google und Apple prüfen die Inhalte nicht, die über die jeweiligen App-Stores verfügbar sind. Daher können dort auch betrügerische Inhalte vorhanden sein. Nun verfügen die Kriminellen über die vollständigen persönlichen Daten der Anlegerin oder des Anlegers. Manchmal wird auch eine Kopie des Personalausweises verlangt. Es besteht die Gefahr, dass die Kriminellen die Personalien anschließend für weitere Straftaten verwenden. Kriminelle können die Personalien zum Beispiel nutzen, um betrügerische Websites zu registrieren. Die Kriminellen rufen auch ungebeten Personen an und präsentieren den potenziellen Opfern die Ausweiskopien, um eine vorgetäuschte Vertrauensbasis für einen Betrugsversuch zu schaffen.

Teilweise stellen die Initiatorinnen und Initiatoren der Gruppen ein Testguthaben zur Verfügung, mit dem die Anlegerinnen und Anleger auf den Plattformen testweise handeln können. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Anlegerinnen und Anleger keine eigenen finanziellen Mittel eingezahlt. Um das System auf die Probe zu stellen, wird eine Testauszahlung veranlasst. Dabei werden kleinere Beträge ausgezahlt – alles wirkt seriös.

Falsche Gewinne wiegen Opfer in Sicherheit

Nachdem die potenziellen Opfer von der Funktionsweise und der Seriosität der beworbenen Plattformen und Apps überzeugt worden sind, werden sie nun aufgefordert, selbst zu investieren. Für die Zahlungsabwicklung werden Anlegerinnen und Anleger häufig überredet, ein Konto (auch Wallet genannt) bei einem online erreichbaren Handelsplatz für Kryptowerte einzurichten. Über diese Wallets wird das eingezahlte Handelskapital zum Beispiel in Bitcoins umgetauscht, die jedoch nicht auf dem eigenen Handelskonto, sondern in der Wallet der betrügerischen Betreiber landen.

In anderen Fällen soll die Einzahlung über ausländische Konten abgewickelt werden. Hierbei handelt es sich in der Regel um Konten, die nicht den Betreiberinnen und Betreibern gehören, sondern der Verschleierung des Geldflusses dienen. Die Gutschrift der Einzahlungen auf der beworbenen Handelsplattform ist nur vorgetäuscht.

Ein Indiz hierfür ist in vielen Fällen, dass Belege über die Überweisungen an die Gruppenleitung oder Assistenz der Chatgruppe gesendet werden sollen. So erfahren diese, welchen Betrag sie dem angeblichen Handelskonto gutschreiben müssen. Auch die Gewinne, die mit dem Guthaben bereits erzielt wurden, sind lediglich vorgetäuscht. Das vermeintlich ständig steigende Guthaben wiegt die Anlegerinnen und Anleger in Sicherheit und ist ein starker Anreiz, weiterzumachen.

Der Betrug geht weiter: gemeinsame Investition

Die vermeintlichen Finanzexpertinnen oder Finanzexperten überzeugen die Mitglieder der Gruppenchats davon, dass es effektiver ist, das Handelskapital gebündelt einzusetzen. Das Kapital wird angeblich auf bestimmten Konten gutgeschrieben. Die Handelsaktivitäten finden jedoch in Wirklichkeit überhaupt nicht statt. Um eine Auszahlung des eingesetzten Kapitals und der angeblichen Gewinne zu verzögern, werden Programme ins Leben gerufen, die oft in mehreren Etappen über Monate laufen und in denen erst am Ende der Laufzeit eine Auszahlung erfolgen soll, zu der es aber nicht kommt.

Erhöhter Druck und Totalverlust

Im weiteren Verlauf wird der Druck auf die Anlegerinnen und Anleger erhöht, weitere Einzahlungen zu leisten. Die Kriminellen finden dabei sehr kreative Wege: Wenn Sie angeblich vorbörslich gehandelte Krypto-Token erworben haben, wird beispielsweise vorgegeben, man habe Ihnen zu viele Token zugeteilt, die Sie nun nachträglich bezahlen müssen. Versuche, eine Auszahlung von Gewinnen zu initiieren, werden zunächst mit dem Verweis auf zu zahlende Steuern und Gebühren abgewiesen. Der Totalverlust des eingezahlten Kapitals ist zu erwarten.

Der Betrug nach dem Betrug

Auch Jahre nach dem Anlagebetrug über die Chatgruppen sind Anlegerinnen und Anleger nicht vor weiteren Betrugsversuchen sicher. Beim „Recovery Scam“ werden sie nach mehreren Jahren unter dem Vorwand kontaktiert, ihr verlorenes Geld sei gefunden oder sichergestellt worden. Allerdings müssten sie zunächst eine Zahlung für Steuern, Gebühren oder Ähnliches leisten, bevor sie das Geld wiederbekommen. Für die Kontaktaufnahme mit dem Opfer erfinden die Kriminellen häufig Behördennamen oder missbrauchen die Identitäten von bestehenden Institutionen, um seriös zu wirken.

So schützen Sie sich vor Anlagebetrug über Messenger-Chatgruppen:

  • Der Bafin sind keine lizenzierten Anbieter bekannt, die sich über Messenger-Gruppenchats an Anlegerinnen und Anleger wenden. Stellen Sie sich die Frage, ob sich bekannte Expertinnen und Experten wirklich über Messenger-Dienste persönlich an Sie wenden würden. Es könnte sich um Identitätsmissbrauch handeln. Einige geschädigte Personen und Unternehmen, die von dem Identitätsmissbrauch betroffen sind, haben bereits entsprechende Gegendarstellungen veröffentlicht.
  • Prüfen Sie unaufgeforderte Einladungen zu Gruppen und Kanälen auf WhatsApp oder anderen Diensten auf ihre Echtheit. Nehmen Sie solche Gruppeneinladungen am besten gar nicht erst an.
  • Seien Sie misstrauisch bei Angeboten, die eine sichere Anlage, eine garantierte Rendite, hohe Gewinne oder ein sehr geringes Risiko versprechen. Bleiben Sie auch wachsam bei Bonusversprechungen und vermeintlichen Erfolgen auf Demo-Konten und Test-Zugängen.
  • Informieren Sie sich umfassend bei unabhängigen Stellen, bevor Sie investieren, beispielsweise bei den Verbraucherzentralen.
  • Prüfen Sie, ob Anbieter von der Bafin oder einem anderen Land des Europäischen Wirtschaftsraums lizenziert sind. Dies können Sie über die Unternehmensdatenbank der Bafin oder über entsprechende Seiten ausländischer Aufsichtsbehörden abfragen.
  • Um einen Identitätsmissbrauch auszuschließen, sollten Sie mit dem angegebenen Anbieter direkt in Kontakt treten. Einige haben bereits entsprechende Warnhinweise über den Identitätsdiebstahl auf ihren Websites angebracht.
  • Beachten Sie auch die Warnhinweise auf der Bafin-Website und von ausländischen Behörden. Bedenken Sie jedoch, dass diese Warnungen aufgrund der großen Anzahl betrügerischer Angebote sowie ständig wechselnder Praktiken nie vollständig sein können.
  • Vertrauen Sie positiven Erfahrungsberichten und veröffentlichten Pressemitteilungen von Unternehmen im Internet nicht blind. Diese sind leicht zu fälschen.
  • Lassen Sie sich nicht von Mitmach-Aktionen täuschen, bei denen Sie Sach- oder Kryptowerte gewinnen können. Diese Maßnahmen dienen allein der Vertrauensbildung.
  • Achten Sie bei Anlageangeboten im Internet auf das Impressum. Wenn es kein Impressum gibt oder dieses fehlerhaft oder unvollständig ist, sollten sie nicht investieren. Ist ein Impressum vorhanden, prüfen Sie die angegebene Adresse im Internet auf eventuelle Unstimmigkeiten. Bei deutschen Unternehmen können Sie die Firmendaten über eine Abfrage im Registerportal der Länder prüfen.
  • Oft wird die Identität von existierenden Unternehmen missbräuchlich im Impressum genannt. Es kann auch vorkommen, dass der Unternehmensname nur minimal abgewandelt wird. Achten Sie – auch bei E-Mail-Adressen – genau auf die Schreibweise. Wenn Sie Zweifel an der Echtheit eines Angebots haben, sollten Sie das genannte Unternehmen direkt kontaktieren. Fragen Sie, ob es sich tatsächlich um ein Angebot dieses Unternehmens handelt.
  • Seien Sie vorsichtig bei der Weitergabe sensibler personenbezogener Daten. Viele Kriminelle fordern zum Beispiel eine Kopie Ihres Personalausweises an. Sie nutzen Ihre Daten dann für betrügerische Aktivitäten.
  • Wenn Sie bei Investitionen unter Druck gesetzt werden und sich schnell entscheiden sollen, ist das ein eindeutiges Warnsignal. Lassen Sie sich nie zu Investitionen drängen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn Sie aufgefordert werden, Einzahlungen auf Konten zu leisten, die in keiner offensichtlichen Verbindung zu dem Betreiber der Handelsplattform stehen. Seriöse Unternehmen verfügen in aller Regel über ein Firmenkonto und nennen dieses auch auf ihrer Website.
  • Kontaktieren Sie bei Verdacht auf Betrug die Polizei.